IBCLC® werden

In diesem Artikel lernst du, was eine IBCLC® ist, wie die Ausbildung zur IBCLC® abläuft und alles, was du sonst noch wissen musst. Viel Spaß!

Wer IBCLC® werden will, muss einige Voraussetzungen erfüllen.

Wir starten den Artikel mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, ehe wir in die ausführlichen Erklärungen einsteigen.

Schnelle Übersicht

  • IBCLC® bedeutet „International Board Certified Lactation Consultant“, also etwa „vom internationalen Gremium zertifizierte Stillberaterin“.
  • Der Titel ermöglicht eine international erkannte Zertifizierung für Stillberaterinnen, die sich besonders gut fortgebildet haben.
  • IBCLC® zu sein, hat auch für deutsche Stillberaterinnen Vorteile: Es zeigt auch nach außen hin an – zum Beispiel gegenüber Klientinnen oder Arbeitgeberinnen – dass du dich persönlich weitergebildet hast und die höchstmögliche Qualifikation hast, bezüglich des Stillens zu beraten. Die Qualifikation als IBCLC® ermöglicht neue Karriereoptionen, sowie auch die Arbeit im Ausland.
  • Um IBCLC® zu werden existieren verschiedene Qualifikationspfade, der erste Pfad ist jedoch der relevanteste: Hier werden alle in Gesundheitsberufen Tätige angesprochen, sowie diejenigen, die sich im Rahmen bestimmter Organisationen für die Stillbegleitung einsetzen (z. B. La Leche Liga). Die anderen Qualifikationspfade stehen Absolventinnen von laktationsspezifischen Studiengängen offen (die es in Deutschland nicht gibt), sowie Anwärterinnen, die mit einer Mentorin zusammenarbeiten.
  • Zusätzlich müssen je nach Pfad 300 bis 1000 Stunden in der Stillberatungspraxis und 95 Stunden laktationsspezifische Fortbildung nachgewiesen werden. Am Ende steht die IBCLC®-Prüfung, die 175 Multiple-Choice-Fragen umfasst und deren Bestehen das Führen der Bezeichnung „IBCLC®“ erlaubt.

Soviel zur Übersicht – kommen wir nun zu den ausführlichen Infos.

Was bedeutet „IBCLC®“?

IBCLC® steht für „International Board Certified Lactation Consultant“, das bedeutet soviel wie „vom internationalen Gremium zertifizierte Stillberaterin“. Das „internationale Gremium“, das sich in dieser Abkürzung verbirgt, ist wiederum der „IBLCE“, das steht für „International Board of Lactation Consultant Examiners“, also dem „internationalen Gremium von Stilberater*innen-Prüfern“. Ziemlich sperrig, und es verbirgt sich durchaus ein gewisser Apparat dahinter, dem wir in diesem Artikel näher kommen wollen.

Okay, aber was bedeutet das jetzt?

Ganz einfach gesagt ist die „IBCLC®“ die höchstwertige Bezeichnung für eine Stillberaterin. Der Begriff „Stillberaterin“ ist in Deutschland nicht geschützt – jede*r kann sich Stillberater oder Stillberaterin nennen und Mütter beraten. Dafür ist überhaupt keine Ausbildung nötig.

Damit eine gewisse Qualität in der Stillberatung vorherrscht, haben sich aber einige Ausbildungsinstitute gegründet, die genau dafür sorgen wollen: Das Menschen, die in der Stillberatung (bzw. „Still- und Laktationberatung“, wie es oft heißt) tätig sein wollen, einen Standard an Fachwissen und Fertigkeiten erlernen, der es ihnen erlaubt, Stillende möglichst kompetent zu beraten.

In der Stillberatung gab und gibt es verschiedene Strömungen, in den letzten Jahren überwiegt jedoch die evidenzbasierte Sichtweise auf Probleme beim Stillen und der Milchbildung. Das bedeutet, dass sämtliche Beratung, die einer Stillenden zukommt, möglichst auf wissenschaftlich erforschten Fakten beruht. Dies ist die weltweite Strömung in der ganzen Medizin, weshalb dieses Vorgehen auch evidenz-basierte Medizin genannt wird.

Dieser evidenz-basierten Medizin – und gleichzeitig einer internationalen Standardisierung der Qualität der Stillberatung – verschreibt sich auch der IBLCE. Er will dafür sorgen, dass möglichst überall auf der Welt kompetente Stillberaterinnen tätig sind, die wissenschaftlich arbeiten oder auf wissenschaftlicher Basis beraten.

Dafür vergibt er den Titel „IBCLC®“, der, wie wir eingangs gesagt haben und worauf wir auch ausführlich zurückkommen – einige Dinge voraussetzt. Es soll sichergestellt werden, dass IBCLC®-zertifizierte Beraterinnen wirklich etwas auf dem Kasten haben, um Stillenden und ihren Familien die bestmögliche Hilfe zukommen zu lassen – und um letztlich dabei zu helfen, dass möglichst viele Babys gestillt werden.

Dadurch, dass der Begriff IBCLC® standardisiert ist und ein hohes Ausbildungsniveau verspricht, wird er in sehr vielen Teilen der Welt anerkannt.

Warum kann es sinnvoll, IBCLC® zu werden?

Wenn du dich für das Thema Stillen interessierst und erwägst, dich dahingehend tiefergehend auszubilden, fragst du dich vielleicht, ob es sinnvoll ist, auch den Titel „IBCLC®“ zu erwerben. Hier sind einige Gründe, die dafür sprechen:

  • Du lernst sehr viel: Die IBCLC®-Zertifizierung setzt u. a. voraus, dass du mindestens 95 Stunden laktationsspezifische Weiterbildung absolvierst. Das sind 12 Arbeitstage intensives Lernen zu einem einzigen Thema. Wann hast du dich das letzte Mal so lange mit einem einzigen Bereich auseinandergesetzt? In der Ausbildung? Dem Studium? Einer Fachweiterbildung? Manche*r fragt sich, ob es zum Stillen überhaupt so viel Stoff gibt – aber lass dir versichert sein, es gibt noch reichlich mehr. Zwar ist die Stillberatung nur eine medizinische Subdisziplin, aber auch hier gibt es noch Unterbereiche, mit denen sich intensiv auseinander setzen lässt. Du wirst also eine echte Expertin in einem Feld, das eine hohe Alltagsrelevanz im klinischen und ambulanten Bereich hat.

  • Du zeigst anderen, dass du viel gelernst hast: Nicht zu unterschätzen ist der Effekt, den der Titel IBCLC® auf andere hat. Vielleicht kommt er vom Renommee her nicht an den „Dr.“ heran, aber innerhalb der „Szene“ ist es durchaus so, dass damit eine gewisse Anerkennung einhergeht. Immer mehr Mütter wissen auch bzw. lernen dann, wenn sie ein Stillrproblem haben, was es mit dem Begriff auf sich hat, und suchen gezielt nach Beraterinnen, die diese Weiterbildung absolviert haben.

  • Du hast neue Karriere-Optionen: Das gleiche Renommee interessiert auch potentielle neue Arbeitgeber*innen: Mit der Weiterbildung hast du gezeigt, dass du lernbereit und -fähig bist, dass du dich außerdem in dieser Diszplin sehr gut auskennst. Bei den Verdienstmöglichkeiten haben wir uns ausführlicher damit auseinandergesetzt, welche Arbeitgeber hier in Frage kommen: Von Krankenhäusern, die IBCLC®s für ihre Stationen suchen, über Industrieunternehmen, die sich mit dem Stillen oder der Babypflege befassen, bis hin zu Zeitschriften, Websites – sogar als Influencerin stehen dir einige neue Wege offen, die auch mit einem finanziellen Vorteil einhergehen können – ganz abgesehen von der Möglichkeit, freiberuflich zu arbeiten und Familien z. B. in Hausbesuchen zu helfen. Nicht zuletzt haben auch einige Krankenkassen die Qualität und Vorteile einer IBCLC®-Beratung erkannt und zahlen ihren Versicherten manche Beratungsleistung – jedoch in der Regel nur durch IBCLC®s, nicht durch andere Stillberaterinnen.

  • Du kannst international arbeiten: Dadurch, dass die IBCLC® in sehr vielen Ländern der Welt anerkannt wird, kannst du dich auch international bewerben. Lust auf auswandern nach Australien? Dort werden immer wieder IBCLC® gesucht. Japan? USA? Spanien? Alles kein Ding der Unmöglichkeit und sicherlich für einige Absolventinnen eine Motivation, die Ausbildung anzugehen.

  • Du kannst Mitglied im BDL werden: Der BDL ist der Berufsverband deutscher Laktationsberaterinnen und bietet seinen Mitgliedern einige Vorteile, unter anderem die Möglichkeit einer Haftpflichtversicherung, engagiert sich aber auch allgemeinpolitisch für die Stillförderung und berufspolitisch für die Berufsgruppe der Still- und Laktationsberaterinnen.

Wie kann ich IBCLC® werden?

Um IBCLC® zu werden gibt es drei verschiedene „Pathways“, also Wege bzw. „Qualifikationspfade“, die alle unterschiedliche Voraussetzungen mit sich bringen. Der Weg, der für Interessentinnen in Deutschland wohl in den allermeisten Fällen der relevante ist, ist „Pathway 1“. (Stand der folgenden Informationen: 09/2023)

Qualifikationspfad 1

Qualifikationspfad 1 richtet sich an

  • Angehörige bestimmter medizinischer und pflegerischer Berufe
  • Menschen, die über eine bestimmte Organisation Stillberatung anbieten

Hier zu den Details:

Angehörige medizinischer und pflegerischer Berufe

Wenn du einem der folgenden Berufsgruppen angehörst, hast du schonmal die erste Voraussetzung für den Qualifikationspfad 1 erfüllt:

  • Ärztin oder Zahnärztin
  • Hebamme
  • Krankenpflegerin
  • Physiotherapeutin
  • Pharmazeutin
  • Logopädin
  • Ergotherapeutin
  • Ernährungsberaterin

Die Liste ist hier einsehbar.

Das ist aber noch nicht ausreichend, um IBCLC® zu werden. Hinzu kommen:

  • 1000 Stunden laktationsspezifische klinische Praxis. Diese müssen in den letzten 5 Jahren vor der Prüfung in einem Krankenhaus, einer Praxis (hausärztlich oder Praxis mit Stillbetreuungs-Fokus) oder einem Geburtshaus unter Aufsicht verrichtet worden sein.
  • 95 Stunden laktationsspezifischer Unterricht in den letzten 5 Jahren vor der Prüfung, davon müssen sich 5 Stunden mit Kommunikationskompetenz bzw. Gesprächsführung befassen.
  • Befolgen des IBCLC®-Verhaltenskodex
  • Eine international zwei Mal jährlich zeitgleich stattfindende, schriftliche Prüfung.

95 Stunden laktationsspezifische Fortbildung?

Die Fortbildung bei elearning-stillberatung.de ist die schnellste und kostengünstigste Möglichkeit in Deutschland, schnell alle Stunden zu sammeln, die du für die Zulassung zur IBCLC-Prüfung brauchst.

Menschen, die über eine bestimmte Organisation Stillberatung anbieten

Wer keinen medizinischen Hintergrund hat, aber im Rahmen der freiwilligen oder bezahlten Arbeit für bestimmte Organisationen tätig ist, hat ebenfalls die Möglichkeit, sich für die IBCLC zu qualifizieren.

Hierfür gelten die gleichen Voraussetzungen wie für den vorher genannten Bereich (95 Stunden laktationsspezifischer Unterricht + Prüfung + Verhaltenskodex), die 1000 laktationsspezifischen Praxisstunden sollen dann aber eben im Rahmen der Arbeit in einer solchen Organisation abgehalten werden.

Zu den in Deutschland verfügbaren Organisationen gehören die La Leche Liga (LLL) und die Arbeitgemeinschaft freier Stillgruppen (AfS). Die gesamte Liste anerkannter Organisationen ist hier einsehbar.

Qualifikationspfad 2

Der zweite Qualifikationspfad, der zur IBCLC-Prüfung berechtigt, wird in Deutschland für die Wenigsten in Frage kommen. Weder ist hier die Tätigkeit in einer Organisation, noch ein medizinischer Hintergrund nötig, dafür aber das Ableisten eines laktationsspezifischen Studiengangs, der gleichzeitig eine Ausbildung in Gesundheitswissenschaft beinhaltet oder diese voraussetzt.

Neben diesem Studium – das zudem an einer Universität oder vergleichbaren Hochschule stattfinden muss – beinhaltet der Pfad:

  • 95 Stunden laktationsspezifische Fortbildung inkl. 5 Stunden Gesprächsführung (wie beim Pfad 1)
  • 300 Stunden Stillberatungspraxis unter Aufsicht einer IBCLC
  • Befolgen des IBCLC-Kodex

In Deutschland werden derartige Studiengänge derzeit nicht angeboten und ist auch nicht bekannt, ob die Studiengänge, die so etwas anbieten, (eine Liste findet sich hier, dort „Profession“ anklicken und „Lactation Consultant“ auswählen), auch als Fernstudium möglich sind.

Qualifikationspfad 3

Auch der dritte Qualifikationspfad wird in der Praxis deutlich seltener genutzt, als der erste Pfad.

Hierbei soll sich die IBCLC-Anwärterin eine Mentorin suchen, die bereits IBCLC ist und sie in engem Austausch ausbildet. Hierfür bedarf es eines Bewerbungsprozesses, der auf dieser Seite genauer vorgestellt wird.

Darüber hinaus sind auch hier die Ableistung von 95 Stunden laktationsspezifischer Ausbildung, 500 Stunden direkte Stillberatungspraxis und das Befolgen des IBCLC-Kodex Pflicht.

Inhalte und Kosten für die IBCLC-Prüfung

Die IBCLC-Prüfung umfasst 175 Multiple-Choice-Fragen, die in einer 4-stündigen Prüfung beantwortet werden müssen. Diese Prüfung findet weltweit zeitgleich statt und wird in verschiedene Sprachen übersetzt, darunter auch Deutsch.

Die Prüfungsinhalte setzen sich mit so ziemlich jedem Thema auseinander, das mit den Bereichen Stillen und Milchbildung zu tun hat. Hier eine Auswahl:

Kind
Ernährungsverhalten in verschiedenen Altersstufen
Kindliche Anatomie / anatomische Besonderheiten
Entwicklung und Wachstum von Reifgeborenen
Stuhl und Urinausscheidung
…
Mutter
Brustentwicklung und -wachstum (typisch und atypisch)
Brustoperationen
Zusammensetzung der Muttermilch
Modifikationen der Mamillen
…
Physiologie der Laktation
Relaktation
Fertilitätsprobleme
Induzierte Laktation
…
…usw.

Die Inhaltsübersicht in der seit 2023 gültigen Versin, also quasi der „Lernzielkatalog“ für die IBCLC-Prüfung, umfasst insgesamt 7 Kategorien:

  • Entwicklung und Ernährung
  • Physiologie und Endokrinologie
  • Pathologie
  • Pharmakologie und Toxikologie
  • Psychologie, Soziologie und Anthropologie
  • Techniken
  • Klinisches Fachwissen

In fast jeder dieser Kategorien gibt es Unterkategorien mit verschiedenen Themen, die die Perioden Schwangerschaft, Perinatal, Frühgeburt, Tage 0-2, Tage 3-14, Tage 15-28, Monate 1-3, Monate 4-6, Monate 7-12, über 12 Monate, sowie „allgemeine Grundsätze“ enthalten.

Und die Prüfung ist relativ schwer: Zwar schaffen insgesamt etwa 83% der Teilnehmenden die Prüfung (darunter auch solche, die sich rezertifizieren lassen wollen), von denen, die den Qualifikationspfad 1 beschritten haben, fielen aber (zumindest im Jahr 2020) immerhin 22% durch.

Die Kosten für die Prüfungsteilnahme und Zertifizierung sind abhängig vom Herkunftsland der Bewerberin, Deutschland gehört aufgrund der im weltweiten Vergleich starken wirtschaftlichen Verhältnisse zu den teuersten Standorten. Im Jahr 2023 zahlte man für die erste Prüfungsteilnahme 600 US-Dollar, wer durchgefallen war und sich erneut um die Prüfung bewarb, zahlte 300 US-Dollar. Die aktuellen Gebühren können hier abgerufen werden.

Wer sich auch nach 5 Jahren weiterhin IBCLC nennen möchte, muss sich fortbilden: Dafür werden sogenannte „CERP“s benötigt (Continous Education Recognition Points), was der Sammlung von laktationsspezifischen Fortbildungspunkten entspricht. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, das IBCLC-Examen erneut abzulegen, um zertifiziert zu bleiben. Nähere Infos dazu in einer Übersicht beim BDL.

Bild auf dieser Seite: anastasiaromb / shutterstock.com

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